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Hilfe holen

Die schreckliche Nacht ist ausgestanden. Resigniert und bitter geht Lotte in den Garten. Statt der Fröschin sitzt Walther am Brunnenrand, doch was spielt das schon noch für eine Rolle? Gleichgültig berichtet Lotte ihm von den nächtlichen Besuchen, was Walther nicht weiter ernst nimmt. Erst als Lotte behauptet, der Grabbelfinger habe Ringe an den Fingern und rieche wie das Rasierwasser vom Onkel, wird Walther hellhörig:

Also Lotte, jetzt reicht es aber. Geschichten erfinden, gut und schön, aber den eigenen Onkel dabei schlecht machen, das geht zu weit! Das geht wirklich zu weit! Und wie du wieder ausschaust! Ich hol dir jetzt deine Anziehsachen, und dann sieht die Welt gleich ganz anders aus.


Walther sieht zu, dass er so schnell wie möglich die Bühne verlässt. Ganz nach dem getreuen Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, und - analog zum fatalen Versagen nicht weniger Mütter betroffener Kinder - sieht er zu, dass er Abstand zwischen sich und jene Aussagen bringt, die auch seine Existenz am Hofe des Ernährers Doppelherz gefährden könnten.

Gefängnis-Burg

Als die Luft rein ist, taucht die Fröschin auf:

So ein Blödmann!

Du bist jetzt bestimmt auch sauer auf mich.

Nein. Warum sollte ich?

Weil ich alles schuld bin. Weil ich alles falsch gemacht habe. Wenn ich so laut geschrien hätte wie du, dann wäre das bestimmt nicht noch einmal passiert.

Dafür konntest du doch nichts! Du hast bestimmt alles richtig gemacht. Jetzt komm erstmal her.

Ich hab alles versucht. Ich hab ganz laut "Nein" gerufen "Nein - Nein - Nein!".

Naja, Nein sagen hilft halt meistens, aber nicht immer. Mehr konntest du wirklich nicht tun. Allein kommst du jedenfalls gegen den nicht an.


An dieser Stelle wird zum zweiten mal im Stück klar, dass althergebrachte Präventionsansätze nicht alles sein können. Zunächst hatte Walther das bedrohliche Szenario eines düsteren Kinderräubers draußen in den dunklen Wäldern heraufbeschworen, ein Mythos, der in tausenderlei zeitgemäßeren Variationen auch heute noch durch unsere Kinderstuben geistert. Und der Kindern tatsächlich Angst macht, während er die Erwachsenen wie hier den Musikanten mitunter blind gegenüber tatsächlichen Übergriffen macht, die indes in aller Regel im sozialen Nahbereich stattfinden. Nun wird im Dialog mit der Fröschin deutlich, dass es weiterhin nicht ausreicht, den Kindern deutliches "Nein!"-Sagen beizubringen.

Walther ist in den Brunnen gefallen.

Wohlgemerkt: Deutlich "Nein!"-Sagen können ist eine wichtige Fähigkeit. Wie oft gelingt dies selbst Erwachsenen nicht. Auch wenn es mitunter nicht ausreicht, um unangenehme Situationen zu beenden, so ist es allemal für den Erhalt der Selbstachtung ein erheblicher Unterschied, ob man seinen Standpunkt gewahrt und "Nein!" gesagt hat, oder nicht - ganz unabhängig vom Ausgang der jeweiligen Situation.

Doch kann es nicht angehen, die Verantwortung für die Beendigung einer unerträglichen Situation zwischen einem Kind und einem Erwachsenen in die Verantwortung des Kindes zu verlegen. Sonst sind zusätzliche Schuldgefühle vorprogrammiert:

Weil ich alles verkehrt gemacht habe. Wenn ich so laut geschrien hätte wie du, dann wäre das bestimmt nicht noch einmal passiert.

Die Fröschin erkennt dies:

Naja, Neinsagen hilft halt meistens, aber nicht immer. Mehr konntest du wirklich nicht tun. Allein kommst du jedenfalls gegen den nicht an.


Soweit, so klar. Doch nun ist guter Rat teuer. Die Fröschin, die für einen Moment auch nicht weiter weiß, erklärt, dass sie, wenn sie Angst habe, immer etwas singe, und so stimmt sie für Lotte den Titelsong an, das Lied "Hau ab du Angst!", dessen letzte Verse gleichfalls dazu aufrufen, sich Hilfe zu holen, wenn's zu schlimm wird. Nach einigem turbulenten Hin und Her können die beiden Walther von der Vogelkacke schließlich nötigen, ihnen in der kommenden Nacht beizustehen, und gemeinsam hecken sie einen Plan aus, wie sie den Grabbelfinger fangen können...

Lotte schmiedet mit Walther und Lotte einen Plan, wie der Grabbelfinger zu stellen sei ...


 
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