MATERIAL STÜCK und THEMA PRESSE
TERMINE Hau ab du Angst! Theatergruppe

 

Macht das Theaterstück Angst?


(Es ist dunkel, von schräg hinten fällt spärliches Licht auf die Bühne. Lotte steht im Nachthemd vor dem Vorhang, in der Hand ihren Teddy. Im Hintergrund werden Schlaflieder gesummt. Sie spricht wie im Halbschlaf, ohne dramatische Betonung.)


Ist da wer?

Wer ist da?

Lass los, bitte!

Nein, nicht.

Ich will das nicht.

Hör auf.

Geh doch weg!

Ich hab Angst.


Wir führen das Theaterstück in der Regel an Orten, wo wir mehrere Kinderaufführungen anbieten, auch separat für Erwachsene auf, um Eltern und interessierter Öffentlichkeit die Gelegenheit zu geben, sich anzuschauen, was die Kinder vormittags zum Thema Missbrauch gesehen haben.

In den im Anschluss durchgeführten Diskussionen wird uns regelmäßig die Frage gestellt, wie denn die Kinder auf das Stück reagieren. Diese Frage beruht auf der zutreffenden Einschätzung, dass Kinder das Stück ganz anders betrachten. Wir selbst haben mitunter das Gefühl, obwohl wir haargenau das Gleiche für Kinder und für Erwachsene spielen, als handele es sich um zwei verschiedene Stücke.


So ist es in den Nachtszenen, von denen es im Stück zwei gibt, bei Erwachsenen-Vorstellungen totenstill. Für Erwachsene sind dies schlimme, unendlich bedrückende Szenen. Nichts ist von abscheulichen Taten zu sehen, Tat und Täter, in der üblichen Berichterstattung immer im Vordergrund, haben hier nichts zu suchen. Zu sehen ist nur Lotte in ihrer schlaftrunkenen Ausgliefertheit an etwas, das sie nicht begreift. Doch genau dieses Urbild von Schutzlosigkeit und Verlorenheit ist wie ein Schlag in die Gefühlswelt des erwachsenen Publikums. Es ruft die Erinnerung an Momente von Schutzlosigkeit und Verlorenheit in der eigenen Biografie ebenso hervor, wie die an all die Versäumnisse, bei denen von uns als Eltern oder LehrerInnen Schutz und Geborgenheit gefordert gewesen wären aber nicht geboten worden sind.

Nachtszene

Ganz und gar anders bei Kinderaufführungen: Statt Totenstille herrscht hier munteres Spekulieren. Frei von all den düsteren Assoziationen, die einem Erwachsenen bereits der Untertitel unseres Theaterstücks mit auf den Weg gibt, sehen Kinder das, was wir wirklich zeigen: Nämlich in diesem Falle nichts. Und entsprechend sind ihre Schlussfolgerungen: "Träumt die?"; "Da ist ja gar nichts!"; "Die schlafwandelt." Es wird auch gescherzt. Wenn Lotte fragt: "Ist da wer? Wer ist da?", dann lässt die Antwort: "Ich!" meist nicht lange auf sich warten.

Anstelle von Angst erzeugt diese Szene bei Kindern etwas anderes: Spannung. Spannung durch die klassische Krimi-Frage: Was ist passiert und wer war es? Im weiteren Verlauf des Stückes werden die Kinder nach Verdachtsmomenten und Indizien suchen, die sie mitunter auf falsche Fährten führen, mal wird Walther, mal die Fröschin verdächtigt. Auf die Frage, was passiert ist, gibt die nun folgende Szene vage Antwort.

Eine detaillierte Schilderung bzw. Darstellung des Missbrauchsgeschehens unterbleibt indes hier wie auch im weiteren. Es geht in Hau ab du Angst! nicht um die konkreten Vorlieben eines Täters, sondern um die Darstellung von allgemeinen Mechanismen, mit denen missbräuchliche Beziehungen eingeleitet und aufrecht erhalten werden, sowie um deren Wirkung auf die betroffenen Kinder - und vor allem: um Mittel und Wege, sich aus solchen Beziehungen zu retten. Die Leerstelle, die das Stück In Bezug auf Art und Weise des Übergriffs ganz bewusst lässt, kann selbstverständlich zum Anlass für ergänzende Gespräche im Rahmen der Nachbereitung genommen werden.

 

Seiner eigenen Wahrnehmung
vertrauen >>
 
 

KONTAKT

STÜCK und THEMA | MATERIAL | PRESSE | TERMINE | THEATERGRUPPE